Interview mit Steven Wilkinson

Steven, wie sind Sie zu TRUSC gestoßen?

Ein Freund – Stephan Kowalski, der Michael schon länger freundschaftlich begleitet und ihm als Sparringpartner dient – hat mich mit Michael Frautz zusammengebracht. Er lud mich zu einem Treffen ein, offensichtlich weil er meinte, ich könnte meine Expertise im Aufbau von Geschäftsmodellen einbringen. Michael erzählte von den Missständen, die er in der digitalen Welt beobachtet und von seiner Idee, darauf ein Geschäftsmodell aufzubauen. Auch wenn ich mich in dem Bereich der IT überhaupt nicht auskenne, habe ich seine Beweggründe verstanden. Auf der ethischen Ebene zeigte sich eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen uns. Diese übereinstimmende Wertebasis hat uns über gemeinsame Einsätze nachdenken lassen.

Das heißt, das Thema Datengerechtigkeit war Ihnen vorher gar nicht wirklich bewusst? 

Nur bedingt. Natürlich wusste ich um die Themen Datenmissbrauch und die Machenschaften einiger großer Konzerne, aber als Nutzer oder Betroffener habe ich daraus bisher keinerlei Konsequenzen gezogen. Mit dieser Haltung bin ich offensichtlich nicht allein. In den nächsten Tagen kommt eine Studie heraus, die um die Sensibilität von Konsumenten bezüglich des Themas Datensicherheit kreist. Der Autor hat die Welt in vier Gruppen eingeteilt: Die „Ignoranten“, die gar kein Bewusstsein für das Problem haben, die „Apathischen“, die  um die Problematik wissen, die aber keine Konsequenzen daraus ziehen, die „Invaliden“, die willig sind, sich zu wehren, aber nicht genau wissen, wie.  Und schließlich die kleine Gruppe der „Radikalen, die das Wissen und das Knowhow haben und es auch nutzen. Bisher gehörte ich zu den Apathischen mit Tendenz zu den Invaliden. Ich sehe die Probleme, weiß aber persönlich noch nicht so genau, wie ich mich wehren kann. Wenn ich einen Passwortgenerator auf meinem Smartphone installieren soll, scheitere ich spätestens nach der dritten Eingabemaske. Dann gebe ich auf, weil ich so viel Zeit nicht habe. Noch ist es mir nicht so viel wert, dass ich den Hörer in die Hand nehme und einen Privacy Consultant anrufe, der mich dabei unterstützt. Vermutlich wird sich das im Laufe der Zeit ändern.

Und wie kommt es, dass Sie inzwischen doch so tief im Thema drinstecken?

Nach unserem ersten Kennenlernen überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst planten wir einen ausführlichen Workshop, in dem wir uns in einem kleinen Kreis Gedanken über den Aufbau des Geschäftsmodells machten. Das war sehr effizient und ich bekam dabei tiefere Einblicke ins Thema, das mich immer mehr faszinierte. Zwei Tage nach dem Workshop erhielt ich eine Email von Michael. Er habe gerade von einer wichtigen Konferenz zum Thema Datensicherheit erfahren, der MyData Global Conference, die eine Woche später in Helsinki stattfinden solle. Er fragte mich, ob ich dort für ihn hinfahren könnte. Ich habe mir das Thema der Konferenz näher angeschaut und es für spannend befunden. „Mache ich!“, schrieb ich zurück. Daraufhin fuhr ich für eine Woche in eine kleine mir völlig unbekannte Gemeinde in Finnland.  Ganz neue Welten eröffneten sich mir dort. Ich habe erfahren, dass die organisierende Community MyData eine junge, sehr dynamische Organisation ist, die sich genau mit den ethischen / gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt, die wir im Kreis um Michael Frautz besprochen haben.

Was ist in Ihren Augen das Hauptproblem in diesem Themenbereich?

Das Internet ist quasi kolonialisiert worden durch einige Firmen. Sie sind erfolgreich geworden, weil sie Lösungen anbieten, die Urbedürfnisse befriedigt haben: Google mit seinem Algorithmus, der es ermöglicht, Dinge zu finden, Facebook mit seinem Algorithmus, der es Menschen erlaubt, sich miteinander zu vernetzen, Amazon mit seinem Algorithmus, der es Menschen erlaubt, günstig einzukaufen und Preise zu vergleichen. Diese seien nur exemplarisch genannt für weitere große Datenmonstern, die uns gefangen halten und von denen wir missbraucht werden, ohne das wirklich zu wissen. Von meiner politischen als auch von meiner philosophischen Haltung her empfinde ich das als verwerflich. Das steht meinem Verständnis vom unantastbaren Wert bürgerlicher Freiheit und der Selbstbestimmung jedes Einzelnen zutiefst gegenüber.

Was denken Sie, wo sich die Bewegung um Datensicherheit hin entwickeln wird?

Meines Erachtens baut sich gerade eine große Kraftwelle auf. Eine Welle an Aufmerksamkeit, Interesse und Bedürfnis nach Privatheit der Daten. „Data and Privacy is the next luxury good!“. Diese Parole der Datenkonferenz in Helsinki ist meines Erachtens sehr ernst zu nehmen.

Das heißt, der Schutz persönlicher Daten ist bisher nur einer elitären Gruppe gewährt?

Ja, so stellt sich die Situation bislang dar. Aber es ist davon auszugehen, dass sich das Thema von dort einer breiteren Masse öffnen wird. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Wir können ihn unterstützen, indem wir das Bewusstsein für die Missstände in der Öffentlichkeit schärfen.

Denken Sie, dass man als Unternehmer dazu beitragen kann, die aufgezeigten Missstände zu beseitigen?

Bisher ist das nur eine Spekulation. Die Gewissheit habe ich nicht, weil ich zu wenig im Thema der IT drinstecke. Was ich aber als Unternehmer spüre ist, dass man die Energie der Kraftwelle unternehmerisch wird nutzen können.  Da wird sich ein Markt auftun. Ich weiß noch nicht genau wie der aussieht, aber da hat Michael einen klaren Blick und mein volles Vertrauen. Er sieht bereits, was hinter der Ecke steht, die ich noch nicht erkenne. Ich traue ihm zu, dass er die richtigen Produkte und Lösungen schaffen kann, die es braucht, um die Missstände zu beseitigen. Deshalb unterstütze ich ihn.

Was genau ist Ihr Part bei dem Projekt?

Meine Aufgabe ist es zunächst, so viele Marktinformationen wie möglich zur Verfügung zu stellen. Das wird auf die strategische Ausrichtung, genauer auf die Produkte und Lösungen von TRUSC, Einfluss haben. Wenn wir dann ein tragfähiges Geschäftsmodell aufgebaut haben, wird es um die Finanzierbarkeit gehen. Und dann komme ich wieder ins Spiel…!

(Das Interview führte Katrin Frische, www.frische-biografien.de)

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